20 Jahre Multikulturelles Zentrum Dessau

 

Das Multikulturelle Zentrum Dessau feiert in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass laden fand am 11. Oktober 2013 im Kornhaus Dessauunsere Festveranstaltung statt.

In diesen 20 Jahren haben wir viel erreicht und noch mehr auf die Beine stellen können. Wir konnten nicht nur Menschen über verschiedene Bereiche der Interkulturalität, der Demokratie und über das gemeinsame Miteinander informieren, sondern konnten auch eine Plattform für Migrantinnen und Migranten schaffen, auf der sie sich gegenseitig helfen können. Wir sind Mitbegründer und Träger der LAMSA und Mitbegründer und Unterstützer des Migrantenrats Dessau-Roßlau. Die LAMSA hat sogar eine Servicestelle bei uns im Haus. Aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen den Zuwanderern mit Rat und Tat zur Seite. Sie unterstützen  Migranten bei Behördengängen und geben Ratschlägen und Hilfe bei anderen Fragen oder Problemen. Denn es ist nicht leicht, sich in einem fremden Land mit fremder Kultur, fremder Sprache und vor allem fremden Gesetzen zurechtzufinden. Hier gilt es, nicht nur Sprachbarrieren zu durchbrechen, sondern auch Kontakte zu anderen Menschen herzustellen. Uns liegt die Integrationsarbeit  sehr am Herzen. Diese kann nur gelingen, wenn man eine Begegnungsstätte schafft, in der deutsche und ausländische Bürgerinnen und Bürger sich zu verschiedenen Themen austauschen können um auch die „andere Seite“ kennen zu lernen.

Es ist wichtig, dass uns allen bewusst ist, wie sehr – im Alltag – immer noch Menschen wegen ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres Geschlechts diskriminiert werden. Das Bewusstmachen ist eine sehr mühselige Arbeit, aber viele erfolgreiche Projekte und Veranstaltung haben uns gezeigt, dass sie nicht vergebens ist. Durch unsere Arbeit merkten wir auch, dass es ein großes Interesse von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Dessau-Roßlau aber auch in ganz Sachsen-Anhalt gibt, für eine offene und tolerante Gesellschaft einzustehen. Genau für die Entwicklung einer solchen Gesellschaft machen wir uns stark: 

Wir  arbeiten wir  sehr viel und eng mit Bildungsträgern zusammen. Gemeinsam mit Schulen und Jugendlichen haben und werden wir weiterhin schöne und interessante Projekte durchführen. Wie zum Beispiel das Modellprojekt „Vielfalt nutzen. Diversity Management an Grundschulen in Sachsen-Anhalt“, wo wir auch eine Patenschaft für die Grundschule Am Luisium Dessau und die Grundschule Am Akazienwäldchen übernommen haben. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist sehr wichtig; sie sind die Zukunft unserer Gesellschaft.

Außerdem unterstützen wir Vereine von Migranten. Wir helfen bei der Formulierung der Vereinssatzungen, der Vereinsführung und ähnlichem. Mit all dieser Arbeit, ist es uns gelungenen, Netzwerkarbeit sowohl auf kommunaler Ebene, als auch auf Landes- und Bundesebene zu betreiben. Das Multikulti ist so mit allen Migranten-Organisationen in Dessau und ganz Sachsen-Anhalt sehr gut vernetzt.

Eine unserer Aufgabe ist es, auch gegen das Vergessen anzugehen. Darum organisieren bzw. koordinieren wir Veranstaltungen in Rahmen von Erinnerungskulturen. Bekannteste Beispiele sind hier  die Gedenkveranstaltung für Oury Jalloh, und der jährliche „Tag der Erinnerung“ zum Gedenken an Alberto Adriano, der Opfer rechtsextremer Gewalt wurde. Letzteres organisierten wir dieses Jahr zum 13. Mal: Dieser Tag soll an alle Opfer rechter Gewalttaten erinnern.

In diesem Zusammenhang möchte ich unseren Einsatz im Kampf gegen Rechtsextremismus erwähnen. So wirkte das Multikulturelle Zentrum in den vergangenen 20 Jahren auch an vielen Veranstaltungen gegen -Rechts mit, so wie in diesem Jahr bei einer neuen friedlichen und gemeinsamen Protestform – der Menschenkette gegen Rechtsextremismus.

Darum befindet sich auch die Beratungsstelle für Opfer rechter Straf- und Gewalttaten in unserem Haus. Die Stadt Dessau-Roßlau ist eine offene demokratisch ausgerichtete Stadt, wie man auch an der Beteiligung von 2500 Bürgerinnen und Bürgern beim friedlichen Protest gegen den Nazimarsch im März diesen Jahres in Dessau sieht – hierbei nahm auch das Multikulti mit zahlreichen Migrantinnen und Migranten teil, die sich Hand in Hand mit den – einheimischen- Dessauer Bürgern sehr wohl fühlten. Dennoch geschehen leider  immer wieder in Dessau und Umgebung politisch rechts gerichtete Übergriffe. Menschen, die solch einen Übergriff miterleben mussten, wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen und sind verzweifelt. Sie brauchen Unterstützung und Trost, den wir versuchen ihnen zu geben.

Viel Engagement stecken wir auch in die einmal jährlich bundesweit stattfindende Interkulturelle Woche, in der wir all unsere Aufgabenbereiche in einer Woche -sozusagen- verbinden können. In dieser einen Woche organisieren wir gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern für groß und klein Veranstaltungen im Bereich Begegnung, Bildung und Sport rund um verschiedene Themen. Aber im Mittelpunkt soll immer Demokratie, Weltoffenheit, Verständigung, Toleranz und Vielfalt stehen.

Die Vernetzung geht weit über Vereine und Verbände hinaus. Bei unserer gesamten Arbeit werden wir von verschiedenen Ämtern, Behörden, Politikern und anderen öffentlichen Personen unterstützt. Kooperationspartner vom Multikulturellem Zentrum sind unter anderem die Polizei, das Theater, das Bauhaus Dessau und die IHK.

Was wünsche ich mir also nach 20 Jahren Multikulturelles Zentrum Dessau?

Ich hoffe, dass unser Verein und unsere Arbeit, die wir leisten weiterhin ernst genommen wird und – mehr – geschätzt wird. Denn ich finde, wir leisten hier sehr viel Gutes. Außerdem wünsche ich mir eine  noch intensivere und engere Zusammenarbeit mit der Stadt Dessau-Roßlau. Wir brauchen ein optimales Integrationskonzept mit einer organisatorisch abgestimmten Koordination und einer landesweiten Vernetzung. Die Produkte bzw. Projekte, die hier bei uns entstehen müssten effektiver  nach Außen präsentiert werden.Ohne die Zivilgesellschaft, Politiker und andere Ämter kann das nicht funktionieren.

Aber auch ohne unsere Mitarbeiter und Helfer könnten wir unsere Projektideen nie in die Tat umsetzen. Wir haben ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter, die hinter unserer Idee von Integration und einem friedlichen Miteinander stehen und sich dafür einsetzen. Außerdem vergeben wir auch sehr gerne Praktika für Schüler und Studenten. Jährlich beschäftigen wir zwischen fünf und sieben Praktikanten aus verschiedenen Fachrichtungen.

(Text: Ansprache des Leiters Des Multikulturellen Zentrums Dessau e.V., Razak Minhel)

Wir bedanken uns herzlich bei Allen, die uns in den letzten 20 Jahren begleitet haben und ohne deren Unterstützung und Mitarbeit es nicht möglich gewesen wäre, so viele Projekte realisieren zu können. Wir sind stolz darauf, was wir gemeinsam hier geleistet haben und auch gewiss  weiter leisten werden und hoffen, dass wir so noch viele weitere Jahre gemeinsam arbeiten können.