Angriffsstatistik der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalttaten

Angriffsstatistik der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalttaten Anhalt/Bitterfeld/Wittenberg für das erste Halbjahr 2015

Für die ersten sechs Monate des Jahre 2015 hat die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalttaten für die Region Anhalt/Bitterfeld/Wittenberg (kurz: OBS) mindestens 21 politisch rechts motivierte Angriffe registriert. „Damit ist bereits jetzt das Angriffsniveau aus dem Gesamtjahr 2014 (18 Angriffe) überschritten.“, so der Leiter der OBS Marco Steckel am 4. August 2015 in Dessau-Roßlau .Die OBS ist zuständig für die Doppelstadt Dessau-Roßlau, für die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg.

2015-06-30-Angriffstatistik

Steckel weiter: „Diese exorbitante Steigerung ist vor allem mit einer beispiellosen Angriffsserie in Bitterfeld-Wolfen zu erklären. Allein dort wurden in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 17 Delikte gezählt.“ Jeweils zwei Angriffe wurden in der Bauhausstadt Dessau-Roßlau und im Landkreis Wittenberg festgestellt.
 
Neonazistische Offensive in Bitterfeld
In der Nacht vom 17. auf den 18.04.15 ereignete sich ein Brandanschlag auf das Alternative Kulturwerk (AKW) in Bitterfeld. Kurz nach Mitternacht wurden zwei Brandsätze über die Außenzäune des Geländes auf das Dach des Wohnwagens von Claudia M. geworfen. Die Flammen brannten sich durch das Dach des Wagens und haben diesen total zerstört. Nur durch einen glücklichen Zufall hielt sich Claudia M., die in dem Wohnwagen lebt und arbeitet, in dieser Nacht nicht im Wagen auf.
 
Der Brandanschlag reiht sich ein in eine Serie von 17 rechten Angriffen im Raum Bitterfeld-Wolfen seit Jahresbeginn 2015. Bei diesen Angriffen drangen u.a. vermummte und bewaffnete Neonazis in Wohnungen von linken Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein, ein 16-Jähriger wurde am Bahnhof mit einem Baseballschläger angegriffen, Flüchtlinge wurden bedroht und mit Flaschen beworfen und Anschläge auf Abgeordnetenbüros der Linken und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN verübt. Mindestens sieben Menschen wurden bei den Taten verletzt.

Die Offensive der Neonazis ist kein Zufall: Seit Monaten hetzen in der 40.000-Einwohnerstadt die extrem rechten Reichsbürger, Neonazis vom III. Weg, von der Partei „Die Rechte“ und die Freien Kameradschaften bei so genannten Montagsmahnwachen öffentlich gegen Flüchtlinge, Juden und Jüdinnen und junge Linke. Ermutigt fühlen sich die Täter/innen auch durch die anhaltende Welle rassistischer Stimmungsmache wie zuletzt in Tröglitz. Die Neonazis setzen in Bitterfeld – und nicht nur dort – darauf, dass das bunte, manchmal laute und bewusst andere Leben im AKW aneckt und stellen sich als Vollstrecker eines vermeintlichen „Volkswillens“ gegen alternative (Sub-)kulturen dar.

Anklage gegen Rechtsextreme aus Bitterfeld-Wolfen
Die Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau hat Anklage gegen sieben rechtsextreme Schläger beim Landgericht Dessau-Roßlau erhoben. Diese sollen in unterschiedlicher Zusammensetzung an sechs Übergriffen auf Mitglieder der linken Szene in Bitterfeld-Wolfen beteiligt gewesen sein. Die Taten haben sich im Zeitraum von März bis April dieses Jahres ereignet. Die Anklagebehörde wirft den 18 bis 25 Jahre alten Neonazis gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Nötigung vor.

KontaktOpferberatung
Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalttaten
Anhalt/Bitterfeld/Wittenberg
Dipl. Päd. Marco Steckel
Parkstraße 7
06846 Dessau-Roßlau
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Handy:          (01 77) 6 28 28 60
E-Mail:          opferberatung@datel-dessau.de
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