Broschüre - Hans-Joachim Sbrzesny - Mord an einem scheinbar Obdachlosen

Mord an einem scheinbar Obdachlosen

In der Nacht zum 1. August 2008 schlief der ärmlich gekleidete Hans-Joachim Sbrzesny aus Halle in einem kleinen Park neben dem Dessauer Hauptbahnhof, wo er von zwei wegen Gewaltdelikten bereits vorbestraften Personen auf brutale Weise ermordet wird. Trotz Hinweise auf eine politisch rechte Tatmotivation sowie auf Verbindungen der Täter zur rechtsextremen Szene, stellt das Dessauer Landgericht im April 2009 keine politische Motivation der Tat fest und verurteilt die beiden Angeklagten schließlich wegen Mordes „aus einem sonst niedrigen Beweggrund".
Für die öffentliche Aufarbeitung des Falls ist die Feststellung des niedrigen Beweggrunds von zentraler Bedeutung. Da er offiziell nicht als Fall politisch motivierter Gewalt gewertet wird, findet er sich in der Liste der Todesopfer rechter Gewalt, wie sie z.B. die Bundesregierung veröffentlicht, nicht wieder. Das Erkennen, Benennen und Ächten rechter Gewalt ist jedoch zwingend notwendig, um gegen ein sozialpolitisches Klima anzugehen, das solche Gewalttaten begünstigt. Denn rechte Gewalt richtet sich immer gegen grundsätzliche demokratische Werte sowie gegen die Existenz universell geltender Menschenrechte.
Ebenso wenig Beachtung findet der Fall Sbrzesny im öffentlichen Raum, was nicht zuletzt am Ort des Verbrechens sichtbar wird, wo sich auch 10 Jahre nach der Tat kein Hinweis auf Herrn Sbrzesny, den Mord oder den politischen Hintergrund der Tat befindet.
Im Rahmen eines Projekts der Partnerschaft für Demokratie! Dessau-Roßlau veröffentlicht die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalttaten Anhalt/Bitterfeld/Wittenberg die Broschüre "Hans-Joachim Sbressny - Mord an einem scheinbar Obdachlosen". Sie möchte damit an die Person Hans-Joachim Sbrzesny erinnern und zugleich auf die Gefahren gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufmerksam machen.

Broschüre: Hans-Joachim Sbrzesny - Mord an einem scheinbar Obdachlosen.pdf