Zum Tag der Erinnerung 2022

Mit über 60 Teilnehmer*innen wurde am 10.06.2022 in Dessau an Alberto Adriano, Hans-Joachim Sbrzesny und allen weiteren Todesopfern rechter Gewalt gedacht.

Auftakt des Gedenktags war das Erinnern an Alberto Adriano, der im Jahr 2000 von drei jugendlichen Nazis im Dessauer Stadtpark so schwer misshandelt wurde, dass er wenige Tage später seinen Verletzungen erlag.

In seiner Rede an der Gedenkstele von Alberto Adriano verweist Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Robert Reck auf eine Aussage von Jane Eliot: "Menschen werden nicht als Rassisten geboren." Der Lehrerin zufolge, die in den 30er Jahren Schulprojekte gegen Diskriminierung leitete, musste Rassismus also etwas "erlerntes" sein. Der erste Schritt gegen rassistische Denkweisen sei deshalb die "Erkenntnis, wie es ist, wenn du oder Menschen in Deiner Umgebung von Rassismus betroffen sind." Diesem Gedanken folgend betont der Oberbürgermeister "Unser Ziel muss es sein, dass sich jeder Mensch sicher fühlen und an der Gesellschaft teilhaben kann". Für ihr Engagement in diesem Sinne bedankt sich Reck bei den "zahlreichen Akteuren, die sich für Opfer von Diskriminierung und Rassismus einsetzen und für Integration engagieren".

Im Anschluss daran folgte eine Rede der Kommission ehemaliger Vertragsarbeitender aus Maputo/Mosambik, die am Gedenkort per Video übertragen wurde. Die Kommission kämpft nun seit über drei Jahrzehnten in Form von regelmäßig stattfindenden Protestzügen in Maputo für die Auszahlung ihrer in der DDR erworbenen Löhne und Rentenansprüche, die ihr bislang trotz ihres langen Bemühen verwehrt bleiben.

Der zweite Teil der Gedenkveranstaltung fand im Park vor dem Dessauer Hauptbahnhof statt, wo an den 2008 ermordeten Hans-Joachim Sbrzesny gedacht wurde. Hans-Joachim Sbrzesny wurde von zwei gewaltaffinen Nazis auf bestialische Weise zu Tode geprügelt, die sozialdarwinistischen Hintergründe der Tat sind offenkundig. Sbrzesny wird jedoch weiterhin nicht offiziell als Opfer rechter Gewalt gezählt - offensichtlich fehlt es hier am politischen Willen, den Fall korrekt zu bewerten.

Am Ort des Verbrechens machte Henriette Quade (Innenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Die Linke) den Zusammenhang zwischen dem Fall Sbrzesny, dem Thema Sozialdarwinismus und der im Landtag Sachsen Anhalt sitzenden AFD-Fraktion deutlich. Während der Fall Sbrzesny in besonderer Weise die mitunter tödlichen Auswirkungen sozialdarwinistischer Diskriminierung belegt, weigern sich Vertreter der politisch Rechten schon an dem Punkt, Sozialdarwinismus als Tatmotivation überhaupt zu (er-)kennen, geschweige denn anzuerkennen.

Musikalisch begleitet wurde der Tag der Erinnerung von der Band Mientras Tanto, die mit klassischen und weniger bekannten lateinamerikanischen Liedern die beiden Gedenkveranstaltungen bereicherte.

Wir möchten uns herzlich bei allen Mitwirkenden und Teilnehmenden für den gemeinsamen Tag bedanken!

 

Zum Nachlesen

Die vollständige Rede des Oberbürgermeisters von Dessau-Roßlau Robert Reck zum Tag der Erinnerung 2022 finden Sie hier:

Rede von Robert Reck

Die vollständige Rede der Innenpolitischen Sprecherin der Landtagsfraktion Die Linke Henriette Quade zum Tag der Erinnerung 2022 finden Sie hier:

Rede von Henriette Quade

Zum Spendenaufruf der Kommission ehemaliger Vertragsarbeitender aus Maputo/Mosambik:

Spendenaufruf

Mehr zum Thema Alberto Adriano finden Sie in der Broschüre:

Warum Adriano?

Mehr zum Thema Hans-Joachim Sbrzesny finden Sie in der Broschüre:

Hans-Joachim Sbrzesny